Die Privatbibliothek Kaiser Franz´ I. von Österreich

 

Die Privatbibliothek Kaiser Franz’ I., die spätere Fideikommissbibliothek, gilt als hervorragendes Beispiel einer fürstlichen Buch- und Grafiksammlung und ist in ihrer ursprünglichen Form großteils bis heute als eigenständige Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten geblieben. Das Projekt widmet sich der Geschichte der Bibliothek von ihren Ursprüngen in den 1780er Jahren bis zum Tode ihres Gründers Franz I. (1835) und versucht dabei die Erwerbspolitik, die Funktion und die Ordnungskriterien der Sammlung aufzuarbeiten und zu analysieren. Der Vergleich mit der Hofbibliothek und weiteren privaten Fürstenbibliotheken der Zeit soll den spezifischen Status der Sammlung näher beleuchten.

In einem zeitlichen und inhaltlichen Schwerpunkt wird sich das Projekt auch mit dem Wiener Kongress bzw. den politischen Ereignissen unmittelbar davor und danach befassen. Anhand der politischen Situation sollen die Funktion und Nutzung der Bibliothek und ihre Bedeutung als „Arbeitsinstrument“ des Kaisers näher studiert werden.

Ein Gutteil der Erwerbungen der Jahre ab 1813 steht in Zusammenhang mit der politischen und militärischen Problematik der Zeit und kann damit als „Vorbereitungsmaterial“ des Kaisers für die beim Wiener Kongress zu schaffende Neuordnung Europas gedeutet werden. Die relevanten Eingänge dieser Zeit, die aufgrund umfangreicher Ankaufslisten belegt sind, sollen in der Sammlung nachgewiesen und nach verschiedenen inhaltlichen Aspekten statistisch ausgewertet werden (z.B.: Flugschriften zur Zukunft Deutschlands und Österreichs, Napoleon, Schlachten der Befreiungskriege, Karikatur, wichtige politische Autoren wie beispielsweise Ernst Moritz Arndt etc.). Darüber hinaus ist beabsichtigt besonders interessante Werke einer Autopsie zu unterziehen und in den politisch-historisch-gesellschaftlichen Kontext der Zeit einzuordnen.

Außerdem wurden in der Bibliothek Bildquellen (Druckgrafiken und Zeichnungen) gesammelt, die in dokumentarischer oder interpretativer Weise die politischen und kriegerischen Geschehnisse der Zeit thematisieren (Ereignisbilder, Karikaturen, Allegorien, Einzel- und Gruppenporträts). Die Analyse dieser Werke unter medientheoretischen und gesellschaftsgeschichtlichen Gesichtspunkten ist das Thema einer in Verbindung mit dem Projekt begonnenen Dissertation.