Der Wiener Kongress und die Presse – Zeitungen als Medien politischer Kommunikation

Abschlussbericht: 2008-2013

Mit diesem Projekt konnten wichtige neue Einsichten in die Geschichte des Wiener Kongresses wie in die Mediengeschichte des frühen 19. Jahrhunderts gewonnen werden. Erforscht wurden die bislang kaum untersuchte Rolle von Zeitungen für die österreichische Regierung und ihre Bürger in den Jahren von 1809 bis 1819 sowie das Verhältnis von Regierung und Öffentlichkeit. Der Balanceakt der Behörden zwischen einem Wandel hin zu einer freiheitlicheren aktiven Pressepolitik als innen- wie außenpolitisch relevanter Maßnahme auf der einen Seite und dem fehlenden Willen, die Untertanen als mündige Bürger zu akzeptieren auf der anderen Seite, wurde in den Forschungen deutlich.

Daneben stellte sich der Regierung das Problem, dass alles, was zu lesen erlaubt war, als ihr genehm oder sogar als ihre Position interpretiert wurde. Vor diesem Hintergrund gestalteten sich die Jahre rund um den Wiener Kongress als kontinuierlicher Kampf der österreichischen Regierung um einen erfolgreichen pressepolitischen Kurs.
Während des Kongresses wurden angesichts politischer Rücksichten nur wenige Nachrichten über die Verhandlungen herausgegeben, diese hatten aber einen besonders starken Effekt. Gleichzeitig wurden politische Botschaften kontinuierlich über Festberichte vermittelt. Diese transportierten keine Fakten, sondern Faktoren wie Friede, Harmonie oder die Einheit der Verbündeten und stellten Machtstrukturen dar. Im Gegensatz zur bisherigen Sicht, dass die österreichischen Zeitungen nur der Unterhaltung und Ablenkung der Öffentlichkeit dienten, können wir nun beweisen, dass diese als Medien politischer Kommunikation dienten. Die Zeitungen boten ein Forum, um zu informieren (zu dem von den Behörden erwünschten Grad) und die Leser zu beeinflussen. Auf diese Weise gelang es nicht, die ausländischen Zeitungen überflüssig zu machen, wie es die österreichische Regierung ursprünglich intendiert hatte. Aber die ausländische Presse war vielfach auf Gerüchte angewiesen, wenn sie es nicht bei den offiziell erhältlichen Nachrichten belassen wollte.

Mehrere Publikationen zu diesen und weiteren Projektergebnissen sind in Vorbereitung bzw. im Druck. Wir werden unter „News“ auf dieser Homepage über ihr Erscheinen informieren.